Donnerstag, 17. Juli 2008

Die ewige Kolumne: Fortsetzungen, Marken und der Anspruch

Passend zur E3 will ich mir für diesen Artikel den Trend des Fortsetzungstum unter den Nagel reißen. Schließlich wurde dieser Tage dort auch Fallout 3 beleuchtet. In der Fanbasis der alten Teile wird dieses gute Stück mit extremer Skepsis betrachtet - und das zu recht möchte man meinen. Bethesda Softworks, Macher der Elder Scrolls-Reihe, verstehen es seit Morrowind und Oblivion zwar große Welten mit Unmengen Quests und auch gewissem Hintergrund zu schaffen. Doch blieben Details und Lebendigkeit dort auf der Strecke, auch wenn man diesbezüglich in Oblivion durchaus lernfähig war. Fallout 3 kann also durchaus ein Hybrid aus zynisch angehauchtem Shooter und Oblivion in Endzeit werden. Sind Fortsetzungen von Computerspielen eigentlich sinnvoll und mehr als simple Geldmacherei, sprich auf ein sicheres Pferd zu setzen? Oder verwurschteln Neuversuche wie bei F3 eine liebgewonnene Tradition?

Gemeinhin kann man die erste Aussage anscheinend erstmal bekräftigen. Die Weiterführungen von bekannten Marken sind gut für den Geldbeutel und relativ sicher. Neutitel haben es in dieser Zeit immer schwerer, ganz besonders wo auch die Zahl der Publisher sinkt und man mit einem Hauch von Paranoia bald ein Oligopol auf dem Spielemarkt erkennen mag. Und wenn hinter einem neuen Namen nicht sowieso ein bekanntes Entwicklerstudio steht sieht es da düster aus.
Beispiel Mass Effect: Wie in meinem letzten Beitrag erwähnt ist BioWare das RPG-Schwergewicht schlechthin. Man kann's sich erlauben neue Sachen einzuführen und dafür sollten gerade wir Rollenspieler dankbar sein. Ähnliches gilt ja auch für Dragon Age. Allerdings ist auch ME nun auf eine Trilogie ausgelegt worden. Trotzdem wird man angesichts eines allgemein guten ersten Mass Effects auch auf würdige Nachfolger hoffen können. Bei einem eigenen Universum dürfte da auch mehr Relevanz bestehen als zum Beispiel damals bei Half Life, welches auch gut für sich allein hätte stehen können.
Wie man hingegen eine etablierte Reihe versauen kann hat man an Gothic 3 gesehen. Der große Name sorgte für gute Wertungen und sicherlich sind die Umstände, dass sich ein deutsches Produkt mit Großangriff auf dem internationalen Markt behaupten soll auch verständlich. Dennoch war es nichtmal das total verbuggte, unfertigte Spiel was Gothic 3 als Fortsetzung so überflüssig macht. Handlung und Spannung? Fehlanzeige! Dabei war Gothic 3 eines der Spiele wo man sich gern eine Fortsetzung gewünscht hat.
Ein Negativbeispiel wo's dann nur ums Geld scheffeln ging ist sicher die Need for Speed-Reihe, die sich erst jüngst mit ProStreet weiter entwickelte ohne wirklich Innovation zu bringen. Aber der Name hat's gebracht. In Zukunft wird wohl ähnliches mit Crysis (auch als Reihe ausgelegt) passieren. Abgesehen von der grafischen Überpracht (das kann man nicht leugnen) war das ja nicht mehr als solide Unterhaltung mit Orientierung nach unten.

Fortsetzungen scheinen also allgemein keinen guten Stand zu haben, weil der wirtschaftliche Zweck offensichtlich ist. Kaufen muss man diese Produkte natürlich nicht. Doch weil man Fan ist und sich etabliertes und eingewöhntes verspricht greift man halt gerne zu. Nun aber mal Hand aufs Herz: Es mag ja viel Dreck gemacht werden, aber ist alles wirklich so schlecht? Und wie im Fall von Fallout 3: Wird alles noch schlechter?
Der Geist der Vergangenheit ruht über den Spielen wie über alten Fotos. Man neigt gerne dazu die Mängel von damals auszublenden. Natürlich gibt es genügend zu beklagen, gerade wo doch heute alles auf grafische Innovation aus ist. Wenn nun aber mehr in den Inhalt gesteckt werden würde, könnte man das alles wunderbar kombinieren. Aufwendige Zwischensequenzen wie in Mass Effect wären seinerzeit für die epischen Aktionen in Baldur's Gate 2 ein Segen gewesen. Und auch ein Wing Commander würde heute zumindest wesentlich besser aussehen. Neuversuche von fremden Firmen wie im Fallout-Beispiel hängen mit der Vorgeschichte der Firma zusammen. Bethesda hat laut den Fans einfach nicht das Zeug um die Welt nach dem Fallout zu schaffen wie es sein sollte. Morrowind und Oblivion waren nun wirklich nicht das Aushängebeispiel von einprägsamem Design, sondern mehr ein riesiger Abenteuerspielplatz.
Es gibt aber auch positive Beispiele wo Fans Veränderungen begrüßten. NWN2 ist z.B. so eins. Auch wenn es mir persönlich nicht sonderlich gefällt, kann man objektiv doch sagen das sich vieles verbessert hat - auch wenn es erst einen Haufen Patches brauchte bis man wieder so etwas wie den alten Standard von Teil 1 gewöhnt war. BioWare hatte NWN aus den Händen gegeben. Gleiches gilt für die KotOR-Reihe. Teil 2 ist dann wieder ein wunderbares Beispiel wie Fans einen guten Titel schlechtmachen können, selbst wenn dieser nun genug berechtigte Macken und ein Negativimage durch die Schnitte hatte.
In der letztendlichen Gesamtbetrachtung neigt sich auch meine Sicht eher in Richtung negativ: Fallout wird nicht die letzte Marke sein um die man bei einer Neuauflage bangen muss. Was technisch sicher gut gemacht wird, hängt später am Inhaltlichen. Denn es ist ja nun mal so: Der Anspruch und die Komplexität sinken, bis es dann irgendwann wieder bergauf gehen kann - vielleicht mit einem Markennamen und einer Fortsetzung. Schließlich braucht es nunmal große Namen und Budgets um einem Titel die nötige Präsenz zu verleihen. Im Prinzip ist sowas immer ein großer Kreislauf.

2 Kommentare:

Kwik hat gesagt…

was du dabei vergisst is dass komplexitaet =! qualitaet is, ich hab schon irrsinnig viele spiele gespielt die zwar irrsinnig komplex waren aber von der qualitaet her, sagen wir mal aufbau bzw design, unter aller sau waren - und einfach kann auch spass machen, siehe diverse wii-spiele. ich halt zwar ueblicherweise auch viel von umfangreichen spielen, das muss aber nicht heissen dass mir trotz mehr als 20 jahren erfahrung kein wario ware oder wii sports gefaellt ;) ich glaub eher dass es in den naechsten 10, 15 jahren so sein wird dass man vom fotorealismus abkommen und neue spiele entwickeln wird, die zwar einfach sind, aber die jeder spielen und spass dran haben kann. ich glaub microsoft und sony werden da nachziehen muessen, das macht sich alleine schon daran bemerkbar wenn man die verkaufszahlen von wii spielen und die von xbox und ps3 spielen vergleicht. innovation und einfachkeit (heit?) = teh win

Kwik hat gesagt…

klingt jetzt btw ein bissl nach wii fanboy, und das geb ich auch zu, aber nach der scheisse die sony mitm europaeischen markt abgezogen hat is es eigentlich nicht verwunderlich ;) bei microsoft wirds jetzt mit qualitaet vielleicht besser nachdem sie ein paar entwickler fuer sich gewinnen konnten, siehe square.