Sonntag, 6. Juli 2008

Testbericht: Final Fantasy 7: Crisis Core

Mein Schwert ist grösser als ich
Hachja, Final Fantasy 7. Obwohl ich nie ein besonderer Freund vom siebten Teil der Reihe gewesen bin, muss ich doch zugeben dass er, im direkten Vergleich mit einigen der späteren, einer der besseren gewesen ist. Nachdem ich mich vor einiger Zeit durch Dirge of Cerberus geärgert hatte, war ich etwas skeptisch was die Qualität dieses spin-offs betrifft, besonders, weil von einem neuen Kampfsystem die Rede war. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass in diesem Fall der kleine Bruder in so mancher Hinsicht beinahe besser als das Original von 1997 war.

Die Geschichte beginnt 7 Jahre vor den Ereignissen, die am Anfang von FF7 beschrieben werden, und endet dann mit diesen. Kurz, man erfährt wie alles begonnen hat, und welche Rolle Aerith's Freund Zack, der in FF7 nur am Rande erwähnt wurde, in dem ganzen Schlamassel gespielt hat. Es kommen einige neue Charaktere hinzu, aber man trifft auch auf viele alte Bekannte. Näher möchte ich auf die Story eigentlich nicht eingehen, da hier jede Information einen potentiellen Spoiler darstellen würde. Es reicht, wenn man sagt, dass vermutlich auch FF-Puristen angenehm von der kurzen, aber dennoch dicht gestrickten Story überrascht sein werden. Es ist allerdings nicht notwendig, dass man vorher das Original gespielt hat, um der Geschichte folgen zu können, was vor allem für Einsteiger von Vorteil sein dürfte.

Näheres zum Kampfsystem: es lässt sich bis auf bestimmte FF-typische Zauber, Summons und Items eigentlich gar nicht mit den Vorgängern vergleichen. Einfach dargestellt läuft man durch die Gegend und hämmert, wenn man auf Monster trifft, auf den Attack-Button ein und weicht hin und wieder mit dem Dodge-Button aus. Doch das Ganze ist mehr als das: der eigentliche Reiz liegt im sogenannten DMW (Digital Mindwave) System, das nichts anderes als ein etwas komplexerer Einarmiger Bandit ist. Während man kämpft, laufen nebenbei drei Reihen von Zahlen und Bildern der anderen Charaktere mit und bleiben zwischendurch stehen. Wenn man nun eine Reihe von bestimmten Zahlen trifft, bekommt man Boni wie kurzzeitige Unverwundbarkeit und ähnliches. Trifft man zwei gleiche Bilder, kommt man dorthin, wo sich eigentlich der Rest des Spieles abspielt. Es läuft in der Mitte eine dritte Reihe von Bildern, und wenn man zusätzlich zu den zwei anderen nun das dritte trifft, führt man einen der altbekannten Limit-Breaks aus, und ausserdem erhält man eine gewisse Anzahl Trefferpunkte, Magiepunkte und Aktionspunkte zurück. Wenn man hier noch eine gewisse Zahlenkombination trifft, bekommt man entweder ein Level dazu oder einer der Zauber, die man ausgerüstet hat, steigt um ein oder mehrere Level. Kurz gesagt ist beinahe alles, was den Fortschritt Zacks betrifft, zufällig. Beinahe. In vielen Magazinen wurde bemängelt, dass sich hier keine Konstante finden lässt, denn man hat offenbar übersehen, dass dieses System sehr wohl beeinflussbar ist, wenn auch minimal. Wer allerdings gerne Kontrolle über den Fortschritt seiner Charaktere hat, wird möglicherweise von diesem System enttäuscht sein. Es bleibt noch zu sagen, dass die Auswahl der Summons sich hier etwas mager gestaltet hat, da hier nur einige wenige der bekannten Esper und/oder Monster, die man auf diese Art beschwören kann, Einzug gefunden haben.

Was mich zu einem weiteren wichtigen Punkt führt: dem Missionssystem. Man kann neben der Hauptstory noch zwischen ca. 300 Missionen, die man an Speicherpunkten erledigen kann, auswählen. Hier bekommt man einige der stärksten Summons, Zauber und Items des Spieles. Ausserdem findet man hier den fast schon obligatorischen Über-Boss, der sich in beinahe jedem FF-Teil finden lässt. Es gibt also eine Menge zu sammeln, und wer eine gewisse Herausforderung sucht, die die Hauptstory in dieser Hinsicht vermutlich eher nicht bietet, wird sich ausgiebig mit den Missionen beschäftigen. In manchen Magazinen wurde dem Spiel angekreidet, dass es zu kurz sei und unter 20 Stunden lang wäre. Ich hatte allerdings schon weit über 40, als ich noch nichtmal die Hälfte der Missionen erledigt hatte, und wenn man die Vorbereitungszeit auf den Kampf mit bereits erwähntem Über-Boss hinzuaddiert, kommt man locker auf 80 Stunden, und das wenn man nichtmal 'langsam' ist. Der einzige Kritikpunkt an den Missionen wäre, dass es sich zu 100% um Seek-and-destroy Missionen handelt, kurz, man sammelt auf dem Weg zu einem bestimmten Gegner ein paar Items ein und das war es dann auch. Ausserdem sind mir die immer gleichen 4 bis 5 Umgebungen, in denen man dies tut, etwas negativ aufgefallen. Es ist alles etwas eintönig gestaltet, und nach der 300. und letzten Mission ist man dann auch irgendwie froh, dass das Ganze vorbei ist. Wer also kein Sammler ist und nicht gerne jedes einzelne Item im Spiel besitzt, sollte die Finger davon lassen und sich auf die Story konzentrieren, was dann allerdings auch den ausgedehnten Spielspass bei eher mageren 11 Chapters etwas kurz gestaltet.

Zusammenfassend kann man zum Spiel eigentlich nur eines sagen: es ist sicher kein FF im gewöhnlichen Sinn, und es ist sicher gewöhnungsbedürftig, aber zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nicht schwer. Alte RPG-Hasen dürften sich zeitweise am härteren Schwierigkeitsgrad die Zähne ausbeissen, denn der hält wirklich, was der Name verspricht. Das Spiel hat klarerweise seine Mankos, wie die schon erwähnten eintönigen Missionen, die aber einen grossen Bestandteil des Spieles ausmachen. Ansonsten ist SquareEnix hier aber eine der besseren Fortsetzungen gelungen, wenn man sie mit den FF-Teilen der letzten Jahre vergleicht, mein Hauptaugenmerk liegt hier auf die beiden eher mageren FF-X Teile. Ist durchaus auch FF-Puristen, die mal was neues probieren wollen, zu empfehlen, und Einsteiger werden von der rührseligen Story und dem einfach gestalteten Kampfsystem begeistert sein.

8/10