
Clive Barker ist derjenige, der als Autor und Regisseur hinter der Horror-Reihe 'Hellraiser' steht. Nach einem ewigen Hickhack hat 'Clive Barker's Jericho' es nun doch auf die PS3 geschafft, drohte dem Titel doch in erster Instanz die Indizierung. Nachdem diese dann doch abgelehnt wurde, erschien 'Jericho' schließlich doch noch als UK-Version mit deutscher Synchronisation, und das völlig unzensiert.
Die Story
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Laut alter gnostischer Text erschuf Gott noch vor dem Menschen das "Erstgeborene". Doch gab er ihm weder Seele noch Verstand. Es war weder gut noch böse, weder schön noch hässlich, doch mächtig. Als Gott ahnte, dass er das Erstgeborene nicht unter Kontrolle halten könne und nicht töten würde wollen, verbannte er es in einen unendlichen Abgrund. Das Erstgeborene ging an der Einsamkeit zugrunde, wurde bitter und böse.
Seit die Menschheit besteht, hat das Erstgeborene 7 Menschen in ihren Träumen verführt und diese dazu gebracht, das Wesen befreien zu wollen. Jedesmal konnte der Ausbruch durch einen geheimen Orden (den Vorgänger des Jericho-Squads) verhindert werden, dennoch nahm das Wesen jedesmal ein Stück Zeit und Raum zurück in sein Exil und wurde stärker. Das Erstgeborene zurückzuhalten wurde mit jedem Ausbruch schwieriger...Das Spiel setzt ein, als ein 7-köpfiges (sic! die heilige Zahl!) Team in den Mittleren Osten in die uralte Stadt al-Khali aufbricht. Arnold Leach, einst Mitarbeiter der ultra-geheimen Jericho-Truppe wurde vom Erstgeborenen verführt und möchte es befreien, es liegt an der Jericho-Truppe dies zu verhindern...
Clive Barker steht für überzeugende Geschichten und gute Schockeffekte und beides kommt in Jericho auch bestens zum Tragen. Die Story ist mysteriös, in sich wenigstens konsequent und logisch und fesselt den Spieler ab einer gewissen Einspielzeit von etwa 1-2 Stunden völlig.
Die Story: 9,5/10
Gameplay & Leveldesign
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'CBs Jericho' spielt sich wie ein klassischer FPS-Shooter mit wenigen taktischen Elementen. Ein Ereignis früh im Spiel, das ich hier nicht spoilern möchte, führt dazu, dass man in jeden Soldaten seines Teams schlüpfen kann. Bedenkt man, dass jeder Mitstreiter über je zwei Waffen und zwei magische Spezialfähigkeiten verfügt, bringt das eine gehörige Portion Abwechslung in das Spiel, das sich somit erfreulicherweise von übrigen FPS abhebt. Ein Beispiel: An einer Stelle versperrt ein Gitter dem Team den Weg. Jetzt schlüpft man in die Rolle von Jones, der sich mithilfe seiner Astralkinese in den Körper jedes Lebewesens teleportieren kann und somit Plätze, Schalter und Mechanismen erreicht, die normalen Spielern unzugänglich sind.
Die Spezialfähigkeiten gestehen jedem Party-Mitglied größtenteils eine größere Rolle zu. Mal ist es ratsam in die telekinetisch begabte Scharfschützin Black zu schlüpfen, mal in die Rolle des heilenden Exorzisten Rawlings und wer schon immer einen eigenen Feuerdämon kommandieren wollte, wird mit dem Tank Delgado seine helle Freude haben. Geht ein Team-Mitglied zu Boden, kann es durch die Spielfigur und Rawlings geheilt werden, erst wenn die beiden Heiler außer Gefecht sind, muss ab dem letzten Kontrollpunkt neugeladen werden.
Das Leveldesign ist hingegen etwas schwächer geraten. Die Levels gleichen Röhren, in denen es nur einen Weg voran gibt und in denen man sich nicht mal verlaufen kann, sind sie doch extrem linear aufgebaut. Leider gibt es in den Levels auch keine Extras oder Boni versteckt, so dass der Großteil des Spiels daraus besteht, eine kurze Strecke zu laufen, dann die geskripteten Gegnerhorden niederzumachen, weiterzulaufen, wieder zu ballern, um schließlich den Endpunkt des Levels zu erreichen. Seltener kommt ein Rätsel, dann muss eine Spezialfähigkeit einer bestimmten Figur angewandt werden. Das Spiel ist übrigens sehr schwer, insbesondere die Explosive Cultists, die sich nah am Spieler in die Luft sprengen, dürften dem einen oder anderen die Zornesröte ins Gesicht treiben. Auch die Bosskämpfe sind nur mit einer bestimmten Strategie zu überstehen, die erst gefunden werden muss.
Schade, man hätte dem Spiel mit einem Skill-System noch mehr Pepp geben können. Beispielsweise durch das Finden von Schriften Skill-Punkte zu bekommen, die man in höheren Schaden, Gesundheit oder in die magischen Fähigkeiten reinvestieren hätte können. Dass das Spiel trotz der Linearität zu gefallen und fesseln weiß, ist der grandiosen Story und dem Fakt geschuldet, dass die Level-Abschnitte extrem abwechslungsreich gestaltet wurden. Nach dem Prolog in al-Khali besucht man die Stadt nacheinander zur Zeit des 2. Weltkriegs, der Templer, des römischen Imperiums und zu der Zeit der Sumerer, bis man sich schließlich nah
genug an das Erstgeborene und Leach herangekämpft hat.
Gameplay: 8/10
Leveldesign 7/10 (davon 2 Punkte für die tolle Abwechslung)
Grafik, Sound & Wiederspielbarkeit
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Soviel vorweg: Jericho reizt die PS3 nicht aus, ist es doch auch einer der früheren Titel für Sonys Konsole. Die meisten Texturen und die meiste Arbeit ist in das Design der Höllenkreaturen geflossen und es wird nochmals deutlich: Das Spiel ist nichts für Zartbesaitete. Überall liegen Blut, Exkremente, Gliedmaßen und Gedärme herum, die Wände sind mit Blut beschmiert und die Kreaturen furchtbar entstellte und gefolterte Wesen. So überzeugend aber der Aufwand hier ist, desto mehr fällt auf, wie unterschiedlich die einzelnen Levels aussehen: Ist die Wüstenstadt al-Khali und das Szenario des 2. Weltkriegs ganz zu Beginn grafisch an Langeweile kaum zu überbieten, steigert sich das Spiel und die Ausstattung in der Templer-Festung bis die Grafik schließlich im römischen Palast des Vicus Cassus und dem sumerischen Tempel sogar Ausrufezeichen setzen kann. Echte Videosequenzen laufen seltener und dann auch nur in In-Game-Grafik ab.
Soundtechnisch ist Jericho für eine deutsche Synchronisation erfreulich professionell ausgefallen. Alle 7 Mann des Jericho-Squad haben eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert und schreien im Eifer des Gefechts Befehle und Meldungen. Die Geräusche- und Soundkulisse steht dem in Nichts nach. Hier wird die ganze Bandbreite ekelhafter Geräusche abgedeckt und auch Detonationen und Waffeneinsatz klingen gar nicht nach Nähmaschine. Überzeugend!
Die Spielzeit dagegen ist gar nicht so einfach zu bestimmen. Durch den knackigen Schwierigkeitsgrad kann es sein, dass man an fiesen Stellen schon mal sehr lange festhängt. Wer partout nicht weiterkommt, kann an dieser Stellen den Grad auch auf Einfach schalten und danach wieder zurückswitchen. Alles in allem bleibt eine Spielzeit von etwa 10-12 Stunden, welche weder schlecht noch herausragend ist. Solider Durchschnitt. Was die Wiederspielbarkeit betrifft, beißt man allerdings auf Granit, da man hier weder einen Online- oder MP-Modus findet und so höchstens das Erfüllen von Bonuszielen (30 Kills im Nahkampf, Absolvieren diverser Levels auf "Schwer"...) zum erneuten Spiel reizt. Als Belohnungen winken Dokumente, die Figuren und Story näher erläutern. Ganz nett, aber ein wenig dünn...
Grafik: 7/10
Sound: 9/10
Atmosphäre: 10/10
Spielzeit: 7/10
Wiederspielbarkeit: 5/10
Fazit
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Jericho hat mich nach unspektakulärem Beginn irgendwann doch in seinen Bann gezogen. Das
Spiel lebt von einer grandiosen Story, einer bedrückenden und toll inszenierten Atmosphäre und einiger unkonventioneller Spielelemente. Allerdings sollte man schon ein Faible für Horror mitbringen, dann das Licht abschalten und beim Spielen auf das wohlige Gruseln warten. Auf eine Fortsetzung würde ich mich freuen!
Spielspaß: 8,5/10
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