I don't want to set the world on fire
An diesem Spiel scheiden sich, wie erwartet, wiedermal die Geister. Während Oblivion-Fans bereits im Vorfeld Freudentänze aufgeführt haben, das Spiel hingegen von Fallout-Fans schon lange bevor es released wurde buchstäblich zerfetzt wurde, sind beide Meinungen nicht ganz ungerechtfertigt. Ich möchte gleich im Vorfeld klarstellen, dass das Spiel mir persönlich recht gut gefallen hat, was aber primär daran liegt, dass es einfach Spass gemacht hat. Objektiv betrachtet sieht es jedoch genau so schwarz/weiss aus, wie im Spiel mit Karma umgegangen wird. Mir ist auf jeden Fall schon lange kein Spiel mehr untergekommen, das derart polarisiert hat.
Ich werde mich hier nicht grossartig mit Erklärungen zum Elder Scrolls bzw. Fallout Universum herumplagen, da die meisten Gamer, die dieses Spiel antesten werden, vermutlich sowieso Fans des einen oder des anderen sein werden. Hier ergibt sich jedoch auch schon das erste Problem: wenn man das Spiel als das dritte Fallout betrachtet, hat man schon verloren, denn ganz simplistisch gesprochen ist es wirklich nichts anderes als ein abgespecktes Oblivion mit Kanonen. Das muss nicht unbedingt etwas schlechtes sein. Aber es ist durchaus von Vorteil, wenn man das Ganze mit unverbrauchtem Blick angeht. Dann ist Fallout 3 nämlich definitiv eines der Highlights dieses Jahres.
Zur Story kann man nur sagen, dass sie zwar an sich nicht schlecht ist, jedoch (wie auch in allen Elder Scrolls Teilen, sorry Bethesda) eher eine geringe Rolle spielt. Es gibt zwar einige nette 'twists and turns', die aber alle ziemlich vorraussehbar sind und durch die Story-Schnipsel, die man aus diversen Files zusammenkratzt, nur bestätigt werden. An sich ist es schon nach den ersten paar Story-Quests klar, wie das Spiel in etwa ausgehen wird, beziehungsweise wer Freund und wer Feind sein wird. Natürlich kann man diese Events basierend auf der eigenen Ausrichtung (gut/böse) manipulieren, aber man kann sich dann auch ziemlich genau ausrechnen, welchen Effekt das schlussendlich haben wird. Mehr kann man dazu auch nicht sagen, ohne mit Spoilern um sich zu werfen.
Generell lebt das Spiel, wie auch Oblivion, von den SideQuests und vom Items sammeln. Wenn man lange genug sein Unwesen in den Ruinen von D.C. treibt, wird man einige nette Gimmicks, die Bethesda eingebaut hat, finden. Das können diverse Personen sein, die ein wenig exzentrisch unterwegs sind, oder auch diverse interessant(er)e Missionen, die man erledigen kann. Es gibt auf jeden Fall eine Vielzahl an Möglichkeiten, um an einige der selteneren Items bzw. Uniques zu kommen, und es tun sich auch recht schnell verschiedene Möglichkeiten auf, um Geld zu verdienen. Hier ist es dann auch möglich, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen, was von der Versorgung eines Bettlers mit gereinigtem Wasser bis zur Auslöschung einer ganzen Stadt reichen kann. Es gibt auf jeden Fall viel zu entdecken, wobei vieles davon meiner Meinung nach unnötig ist und nichts weiter als einen Versuch darstellt, das Ödland ein wenig aufzufüllen.
Witzigerweise wird das Spiel weitaus interessanter, wenn man sich ein bisschen mit englischsprachiger Literatur und englischer/amerikanischer Kultur auskennt, da die Entwickler in vielen Fällen ihr Wissen zu den jeweiligen Themen ausgegraben haben und es in Form einzelner Charaktere in Fallout 3 eingebaut haben. Der schwarze Humor kommt auch wieder nicht zu kurz, es kann allerdings eine Weile dauern, bis man einige Lacher erhaschen kann.
Probleme gibt es auch bei der Charakterentwicklung. Viele der Attribute/Fähigkeiten sind schlichtweg unnötig, und es scheint, als würde das Überleben primär am Equipment hängen. Es lässt sich jedenfalls in vielen Fällen keine merkliche Verbesserung feststellen, wenn man bestimmte Werte steigert oder die ein oder andere Fähigkeit nimmt. Alles andere in Punkto Kampfsystem regelt V.A.T.S., bei dem man bestimmte Körperteile anvisieren kann. Generell wirkt das Spiel, ausser am Anfang, nicht wirklich herausfordernd, egal welchen Schwierigkeitsgrad man in Angriff nimmt. Vorrausgesetzt, man weiss, wo man nach lebensverlängernden Items suchen muss und wie man die intelligenzmässig eher schwach bestückten Gegner austricksen kann. Dies ist auch einer der Hauptkritikpunkte der eingefleischten Fallout-Fans - dass Fallout 3 nichts anderes als ein Shooter, der vom RPG-Faktor sogar noch unter Oblivion angesiedelt ist, sei.
Interessanterweise wurde von vielen Kritikern die Ernsthaftigkeit in Fallout 3 im Vergleich zu Oblivion hochgelobt, obwohl jedem, der einige Stunden investiert sofort auffallen müsste, dass sich, bis auf den roten Faden, eigentlich nichts in diesem Spiel finden lässt, das nicht mit einem gewissen Augenzwinkern präsentiert wird, was meiner Meinung nach eigentlich genau der Faktor ist, der einen zum weiterspielen bewegt. Ein Grossteil des Inhaltes wird dermassen überzogen dargestellt, dass es klar ist, dass sich dieses Spiel keineswegs so ernst nimmt, wie einige Magazine es behaupten. Alleine schon die übertriebenen Blood and Gore Effekte in der österreichischen .de Version und wie Droschkenkutscher fluchende achtjährige sollten das klarmachen. (Anm.: ich beziehe mich hier auf die österreichische 18+ Version, die das volle Content der US-Version enthält; ich wurde darauf hingewiesen, dass die deutsche Version stark gekürzt ist, konnte das jedoch nicht überprüfen, Feedback erwünscht)
Dennoch: es zahlt sich aus, sich das Spiel zumindest anzusehen. Wie bereits erwähnt ist es hilfreich, das Spiel ganz nüchtern zu betrachten, denn dann macht es auf jeden Fall eine Weile Spass, da die Atmosphäre (bis auf die obigen Kritikpunkte) recht gelungen ist. Bleibt lediglich zu sagen, dass das Ganze nach einer Weile recht eintönig werden kann, was möglicherweise nur mir so vorgekommen ist. Wenn man sich die Welt nach einem atomaren Krieg vorstellt, sieht sie mit Sicherheit in etwa so wie die Welt in Fallout 3 aus - eine Welt, in der jeder ums blanke Überleben kämpft, und man effektiv niemandem trauen kann.
Objektiv: 7/10
Subjektiv: 9/10
Dienstag, 4. November 2008
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