Shooter gibt's wie Sand am Meer. Wenn es allerdings um Shooter mit Schwert, Schild und Magie geht, sieht die Sache doch schon ganz anders aus. Arkane Studios, die sich bereits für den Überraschungshit Arx Fatalis verantwortlich zeichnen, haben dabei ein atmosphärisches Abenteuer geschaffen, welches jedoch mit ein wenig mehr Feintuning besser sein könnte.
Inhaltlich spielt Dark Messiah in der neuen Welt Ashan. Ich kenne mich mit der 'Might and Magic'-Reihe nicht sonderlich aus, daher kann ich nur sagen, dass diese Welt lose mit 'Heroes of Might and Magic V' verknüpft ist. Immerhin ist die Reihe ja auch ganz schön groß: 1986 erblickte der erste Teil das Licht der Welt und sollte mit bis zu 8 weiteren Hauptteilen + den Heroes-Strategieablegern sowie den anderen Actionablegern (Crusaders of, Warriors of und Legends of) ja auch eine ganze Menge Stoff bieten. Wer sich also nicht mit der Welt auskennt, braucht auch wenig Vorwissen, zumal sich das Abenteuer auch auf keine sonderlich große Region beschränkt. Die Introsequenz weißt auf einen eingeschlossen Dämonenlord hin, der bald wieder aus seinen Gefängnis zu erwachen droht.
Das eigentliche Spiel beginnt in einem modrigen und dunkelen Tempel. In diesem Tutorial sollen wir als Lehrling Sareth (der übrigens gesprächig, aber ruhiger Natur und kein dummquasselnder Neunmalklug ist - sehr schön!) für unseren Mentor Phenrig einen magischen Kristall finden. Mit der Stimme aus dem Off und mentaler Verbundenheit, gibt er uns Hinweise und Ratschläge wie wir denn am besten vorankommen. Das Spiel verwendet die allseits bekannte Source-Engine ('Half Life 2') und spielt sich wie der Vetter auch entsprechend linear. Doch schon in den ersten Tutorialminuten spielt sich Dark Messiah etwas anders als viele Verteter der Zunft. Das geht schon los bei der Bewegung. Während man dieser Tage lediglich eines der Features wie z.B. das Seilklettern, Schwimmen oder Hochziehen an Vorsprüngen einbaut, benutzt Dark Messiah gleich die ganze Palette an diesen "Grundübungen" des Ego Shooter-Helden. Später gibt es auch noch einen Seilbogen, den man in Holzbalken schießen kann und sich somit ein praktisches Seil erschafft mit dem man herumschwingen kann. Dank des Physikteils der Source-Engine kann man ebenfalls alle möglichen Gegenstände aufnehmen und sich provisorische Kletternhelfen bauen. Allerdings wird dies weniger benötigt als beispielsweise in 'Half Life 2'.
Später führt man im Tutorial dann auch sein erstes Gefecht mithilfe des ersten Schwertes. Man kann je nach Pfeiltastendruck Hiebe oder Stiche durchführen. Öfters aber braucht man das Blocken, besonders bei mehreren (bewaffneten) Gegnern, da diese einen sonst sehr schnell umhauen. Man muss so auf den richtigen Moment warten und dann zustoßen. Noch viel wichtiger aber ist die Umgebung im Auge zu behalten. An Wänden befinden sich beispielsweise öfter spitze Fassaden, auf die man die Gegner aufspießen kann. Dazu muss man sie aber erstmal in die richtige Position bringen und dann kräftig zutreten. Interessanterweise ist das eigene Bein die mächtigste Waffe im Spiel, denn man kann sich damit den Gegner auf Distanz halten oder so mit einem gezielten Stoß ganz aufhalten ohne lästig immer wieder auf ihn einprügeln zu müssen. Weiterhin gibt es noch eine Poweranzeige, die man mit mehreren Schlägen/Schüssen oder abgefeuerte Magie (also letztendlich ausgeteiltem Schaden) füllen kann. Ist sie voll, kann man damit einen einzigen tödlichen Hieb durchführen oder aus einfachen Feuerblitzen eine ganze handvoll Geschosse auf den Gegner niederfahren lassen, die den Gegner in Flammen aufgehen lässt. Danach ist die Anzeige wieder leer.
Bei all diesen Tötungsmethoden ist die fehlende Jugendfreigabe übrigens nicht verwunderlich. Auch leicht geschnitten (keine fliegenden Körperteile) geht es beim dunklen Messias ganz schön blutig zu.
All das klingt in der Theorie ziemlich cool und wird beim Abenteuer noch Spaß machen. Doch eine unfreundliche Kombination streut kräftig Salz in die Suppe: Steuerung + Schwierigkeitsgrad.
Bei meinem letzten Durchgang habe ich das Spiel auf einem höheren Schwierigkeitsgrad mit dem neusten Patch gespielt (1.4?). Anscheinend hat man sich bei den Entwicklern zu Herzen genommen, das vielen Leuten das Spiel zu leicht war. An und für sich eine gute Sache, aber selbst auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad von Dreien waren manche Stellen recht frustrierend, zumal die Ladezeiten bei manchem auch nicht die schnellsten sind. Grundlegend herrscht nämlich ein ungleiches Kräfteverhältnis vor. Die Gegner sind meist in der Zahl überlegen und halten mehr aus. Natürlich gibt es diverse Fallen wie z.B. einen einstürzenden Schuppen den man sich zur Nutze machen kann, doch bleibt das Spiel damit trotzdem knifflig. Unser Held hält nämlich sehr wenig aus. Ein Treffer, einmal das Blocken vergessen kann schon das Aus bedeuten. Besonders die Feuerblitze der Nekromanten sind später extrem ätzend.
Und dann eben noch die Steuerung. Sareth kann schnell sprinten und auch nach vorne und zu den Seiten ausweichen. Zurückgehen ist aber extrem langsam. Irgendwie auch paradox: Andere vollbewaffnete US-Marines springen wie Katzen zu allen Seiten obwohl man das dort bei den Fernwaffen gar nicht braucht, während es bei Dark Messiah doch wirklich nötig wäre zurückzulaufen. Eigentlich ein bisschen schade, da man so echt tolle Schwertkämpfe hätte inszienieren können.
Weiterhin gestaltet sich auch die Waffenauswahl sehr träge. Sareth braucht einfach zu lange um die entsprechende Waffe zu greifen oder den Zauber aufzurufen. Das Schild muss man sogar immer noch manuell aufrufen. Schneller Wechsel ist aber erforderlich. Auch bei den Zaubern ist es ärgerlich, dass diese alle ziemlich lahm in der Luft fliegen und so oft daneben gehen, während schon erwähnte Feuerblitze der Nekromanten uns sogar noch ein Stück weit zur Seite hinterherfliegen. Die Slotanzahl ist einfach zu begrenzt. Wenigstens kann man mit Knopfdruck von Zauber zu Waffe wechseln - umgekehrt aber nicht.
Für Leute wie mich, die sich mit diversen Steuerungsarten schwertun, ist es dann schon ein Stücken Häme, dass das Spiel schon vorbei ist, wenn man sich an all die Einschränkungen gewöhnt hat. Wenigstens ist das Leveldesign gut geraten, so das es bei größeren Gefechten immer eine der besagten nützlichen Hilfen gibt.
Nach dem Finden des Kristalls schickt uns Meister Phenrig mit Xana, einer mysteriösen Zauberdame die in unseren Geist schlüpft und uns mit ihren ziemlich bissigen Kommentaren manchmal mehr, manchmal weniger hilfreich zur Seite steht, nach Steinhelm. Hier sollen wir mit seinem Kollegen Menelag den Kristall benutzen, um mit dessen Hilfe die Kraft im Tempel der Spinne zu aktivieren. Eine Expedition soll die nächsten Tage dahin erfolgen. Steinhelm wird jedoch noch von den Nekromanten angegriffen, nachdem Sareth mit dem Tor vor den imposanten Stadtmauern steht. Der Einstieg ist hier sehr gut gemacht. Man hechtet über die Festungsmauern und erlegt später einen Zyklopen mit der Ballista. Anschließend geht es zu Menelag, doch auch in der greifen die Nekromantenschergen erneut an.
Die Geschichte des Spiels ist solide ohne aber wirklich neues zu bieten. Bei Phenrigs Blicken in der zweiten Zwischensequenz und den Einflüsterungen Xanas sollte klar sein, dass unser einfacher Sareth eine tiefere Rolle in all den Prophezeihungen spielt. Sein erwähnte ruhige Natur passt zum Spiel. Er spricht zwar, doch bleibt eher eine zurückhaltende Natur. Der Spieler soll sich hier wahrscheinlich seinen eigenen Teil denken. Ein guter Kompromiss, die einem stummen Gordon Freeman oder einem vielquatschenden CJ (GTA: San Andreas) nicht viel abgewinnen können.
Die Nebencharaktere bleiben alle recht blass. Die Sprecher machen ihren Job sowohl auf englisch als auch deutsch ganz gut, aber auch sie können nicht über die Einseitigkeit hinwegtäuschen. Einzig Oberschurke Arantir lässt besonders gegen Ende einen interessanten psychologischen Aspekt durchblitzen, der noch durch die Philosophie der Nekromanten ergänzt wird. Natürlich agieren die Nekromanten alle durchweg dem Klischee nach böse, doch will sich ihr Anführer, so scheint es bei einigen Äußerungen, wohl gerne in das Licht des Retters rücken, der dafür schonmal tausende Menschen opfert.
Ein Manko besitzt Dark Messiah im Bezug auf das Leveldesign im Verbund mit der Story dann aber doch noch: Es gibt keine Reisestrecken. Für einen Ego Shooter mit Rollenspieleinschlag wirkt alles zu missionsartig und nicht offen genug für eine Welt. Der Tempel im Tutorial beispielsweise wird nicht von außen betreten - man startet lediglich in einem dunklen Gang. Und so verhält es sich später ähnlich. Man wird daher das Gefühl nicht los, dass die Welt ziemlich klein ist. Faktisch spielt das Abenteuer auch nur auf der Tempelinsel sowie in Steinhelm mit einem kleinen Portalabstecher.
Im Verlaufe des Spiels kann man dann noch durch Spielfortschritt (+ optionale Dinge wie das Töten eines Zwischenbosses) gewonnene Skillpunkte für Fertigkeitsverbesserungen eintauschen. Dabei ist dieses System ziemlich simpel. Man muss später einfach hohe Punktesummen aufsparen, um sich Fähigkeiten zu kaufen. Die höchsten im Skillbaum sind
aber erst freischaltbar, wenn man vorher eine andere aktiviert hat. Mir persönlich gefällt das nicht und wirkt wie der krampfhafte Versuch ein bisschen Rollenspiel reinzubringen. Zusätzlich wird man, rein vom Stärkeverhältnis her, auch dazu gezwungen sich auf einen Teil (Nahkampf, Magie oder Schleichen) zu spezialisieren. Oft wird aber wird jedoch auch der hinten stehende Magier durch die langsamen Zaubergeschosse in einen Nahkampf gezwungen. Ich hätte es viel besser gefunden, wenn man einfach alles hätte nutzen können, um so ein breiteres Taktikspektrum zur Verfügung zu haben. Die Zauber hätte man über die diversen Schriftrollen ja auch lernen können.
Einen Multiplayermodus besitzt das Spiel ebenfalls. Diesen habe ich jedoch nie ausprobiert.
Fazit:
Man kann schon sagen, dass 'Dark Messiah of Might and Magic' an und für sich ein sehr gutes Spiel ist und in Sachen Gameplay mit neuen Ideen aufwartet bzw. etabliertes gut neu aufarbeitet. Die Geschichte bleibt aber 08/15.
Das größte Manko ist die gewöhnungsbedürftige Steuerung. Man muss sich einfach viel mehr Zeit nehmen als in anderen Spielen das Timing und die Art der Attacken abzuschätzen und einzuüben. Wem die Bedienung wider erwarten jedoch gut von der Hand geht, wird mit 'Dark Messiah of Might and Magic' seinen Spaß haben.
7/10
