Samstag, 7. Juni 2008

Testbericht - Sins of a Solar Empire

Bevor ich mich hier über die Details von „Sins“ hermache, noch ein kleines Statement. Stardock ist für mich der Publisher der Herzen. Nicht nur wird hier jedes Spiel in enger Absprache mit Fans und Community kontinuierlich verbessert, sondern ich kann sogar bedenkenlos digital einkaufen. Warum? Weil mir der übliche Digital-Rights-Management-Kram und auch sonst jeglicher Kopierschutz erspart bleibt, weil ich ein Spiel jederzeit und so oft ich will via High-Speed-Download unkompliziert laden kann und weil ich mein gekauftes Spiel (als Resultat) auf so vielen Rechnern wie ich will installieren kann. Gerne schicke ich da die ca. 30 EUR via PayPal und bekomme wohl eines der interessantesten Strategiespiele der letzten Zeit. Ihr merkt, wir nähern uns dem Thema.

Entwickler Ironclad (Ex-Barking Dog und Rockstar Veteranen) hat sich mit Sins of a Solar Empire viel vorgenommen. Echtzeitstrategie soll hier mit den bekannten 4X Konzepten aus den rundenbasierten Spielen „Master of Orion“ oder „Galactic Civilizations“ (auch von Stardock) kombiniert werden. Ach ja, und irgendwie sollen die Schlachten auch noch so cool wie in Homeworld aussehen. Machbar? Machbar! Und das geht so.


Für ein neues Spiel wählt man entweder ein zufallsgeneriertes Sternensystem oder eine der zahlreichen vorgegebenen Karten (eine Story-Kampagne gibt es nicht). Dabei rangieren die Größen von „ein paar Planeten mit Stern“ bis „5 Sonnensysteme mit über 100 Planeten“. Jetzt beginnt der Spaß.
Ich habe einen Heimatplaneten, eine Konstruktionsfregatte und ein paar Credits, also los. Die Ressourcen Asteroiden (Metall und Kristall) werden mit Extraktoren versehen, ein paar Forschungseinrichtungen für zivile und militärische Programme ermöglichen erste wissenschaftliche Fortschritte und natürlich dürfen auch ein Schlachtschiff und ein paar leichte Angriffsfregatten nicht fehlen.
Gebaut wird das alles im Orbit bzw. Gravitationsfeld meines ersten Planeten und von dort aus kann ich mit einem Scout auch die Nachbarplaneten erkunden und später dann das gesamte Sonnensystem – schließlich muss ich weitere Welten besiedeln um meine Wirtschaft in Gang zu bringen und meine logistischen Kapazitäten zu erweitern.

Jetzt muss ich mich ständig darum kümmern einige Flotten zum Schutz meiner Welten aufzubauen, die Planeten selbst weiterzuentwickeln (um z.B. mehr Bevölkerung unterzubringen oder besseren Schutz gegen Angriffe zu bieten) und meine werten Mitstreiter um die galaktische Vorherrschaft nicht aus den Augen zu verlieren.

Irgendwann kommt es dann aber doch (endlich) so weit, dass ich meine Schiffe in die Schlacht führen muss. Kämpfe darf man sich in „Sins“ in etwa wie in „Homeworld“ minus der dritten Dimension (hier spielt alles in 2 Dimensionen) minus etwas Hektik vorstellen.

Das bedeutet die verfeindeten Parteien bekämpfen sich in bester Star Wars Tradition mit den diversen Schiffstypen, die man in Sins bauen darf. Dazu gehören z.B. Schlachtschife, mit ihren besonderen Fähigkeiten und Erfahrungspunkten (quasi die Heldeneinheiten), Kreuzer, Fregatten aller Art sowie Jäger- und Bomberstaffeln (von Trägereinheiten aus gestartet).

Dabei ist es wichtig eine gut gemischte Flotte aufzustellen, die für jede Gefahr eine Antwort parat hat.

Erkunden, Forschen, Bauen, Kämpfen, Diplomatie – wie steuert sich das jetzt alles in Echtzeit?

Zwei Elemente ermöglichen eine reibungslose Bedienung des Spiels.

Mit dem stufenlosen Zoom (ähnlich wie Supreme Commander) kann ich vom kleinen Jäger bis zur gesamten Galaxis alles überblicken und jederzeit schnell zu allen Örtlichkeiten hinspringen.

Der Lebensretter schlechthin ist allerdings der „Empire Tree“ - eine Art Pinnwand für jedes Objekt meines Imperiums, eingeteilt nach Planeten. Er ermöglicht es zusammen mit diversen Hotkeys blitzschnell eine Vielzahl an Aufgaben zu bewältigen wie z.B. Verstärkung zu einer bestimmten Kolonie zu schicken ohne lange zoomen zu müssen.

Forschung, Diplomatie, Schwarzmarkt und Piraten (kleines Kopfgeld auf den Gegner gefällig?) werden über normale Menüs gesteuert.

Zugegeben, Sins of a Solar Empire ist keine leichte Kost. Neben der ohnehin schon komplexen Materie, die das Sub-Genre mit sich bringt, wird man eben stets in Echtzeit gefordert um die gnadenlos gute KI oder bis zu 9 menschliche Mitspieler im Zaum zu halten. A pro pos Mitspieler: „Sins“ bietet auch im Multiplayer tolle Unterhaltung mit den exakt gleichen Inhalten wie im Solo-Spiel, jedoch muss man etwas mehr Zeit wie in normalen RTS-Spielen einplanen. Bei Bedarf kann aber eine Mehrspielerpartie gespeichert und später fortgesetzt werden.

Fazit: Wer Weltraum Strategie mag und bei Spielen wie Supreme Commander und Galactic Civilizations nicht überfordert war, sollte sich in der nächsten Zeit nichts vornehmen.
Sins of a Solar Empire ist ein beeindruckendes Debut von Ironclad und für jeden galaktischen Strategen ein Pflichtkauf.

9/10

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