Das Jump'n'Run-Genre stellte den Beginn der damals noch simplen Spiele da. Und auch wenns niveautechnisch trotz Bombastgrafik dieser Tage manchmal immer schlimmer wird, gehören herkömmliche Jump'n'Runs doch zum alten Eisen - zumindest für den PC. Das dachte sich wohl auch Ubisoft und hat der klassischen Prince of Persia-Reihe zu neuem Glanz verholfen.
Dieser Test beschäftigt sich nun mit dem Erstling einer neuen Reihe, nämlich 'Sands of Time'. Zuvor gab es schon ein 'Prince of Persia 3D' welches ungefähr in der Riege von Lara Croft einzuordnen ist. 'Sands of Time' beschreitet einen actionorientierteren Weg und lässt doch gleichzeitig ein wunderbares Gehangel und Gespringe zu.
Die Story in ihren Grundzügen ist schnell erzählt. Der König von Persien macht sich auf den Feldzug nach Indien. An seiner Seite befindet sich der Prinz, unsere Spielfigur. In einer Art Tutorial beginnen wir inmitten der kampfumwüteten Mauern des Maharadschas und wollen uns für den eigenen Vater als würdiger Krieger erweisen. Der Wesir, der uns schon beim Angriff geholfen hat, stellt sich als wissend heraus und will das wir den Dolch der Zeit, ein einzigartiges Artefakt aus der Schatzkammer des Maharadschas, finden. Während man hier zu Anfang schon genügend kämpft und hüpft, vergeht der Prolog und man findet sich in Persien wieder. Hier wird die mysteriöse Sanduhr geöffnet und der Sand der Zeit verwandelt jeden bis auf den Prinzen, die Gefangene Fara und den Wesir in ein Sandmonster. Es beginnt die Jagd quer durch den Palast auf den Wesir, um sich zu rächen. Doch die Geschichte wartete noch mit kleinen, aber feinen Finten auf.
Bis dahin vergehen schon einige Spielminuten und man gewöhnt sich an den Prinzen in 3D. Am Anfang ist die Steuerung noch etwas gewöhnungsbedürftig, doch bald gewöhnt man sich daran allerhand akrobatische Aktionen zu vollführen. Den einfachen Sprung braucht man gar nicht. Stattdessen wird an Wänden emporgelaufen, an Simsen entlang balanciert oder an Stangen geschwungen und Saltos vollführt. Hübsch animiert, ist das ganze eine echte Augenweide, auch wenn die Steuerung teilweise sensibel ist und einfacher Fehler manchmal den Sturz in den Tod bedeuten kann, wenn man gerade irgendwo in schwindelerregender Höhe herumhängt. Hier gibt es schön viele Animationen und man sieht dem Prinzen (ja, nicht SO ;) gern zu. Das ganze schafft dabei den Spagat einerseits filmreif zu sein und andererseits auch gerade bei der Person des Prinzen nicht zu übertrieben zu wirken. Stichwort: Held ohne Niederlagen, der Sprünge aus hunderten Metern Höhe problemlos übersteht und sich dabei noch ein Lachen abgewinnt - Fehlanzeige, zum Glück. Der Held ächzt immer wieder und gibt ein geschafftes Stöhnen von sich.
Die zweite große Sache ist das Kampfsystem. Trifft der Prinz auf Gegner, wird das Schwert gezückt und es kann losgehen. Eine Ausnahme hiervon sind lediglich die Fledermausschwärme und Geier, die einen später ab und an bei Hüpfeinlagen beharken.
Der Kampf gestaltet sich nicht nur optisch eindrucksvoll. Viele der Manöver wie z.B. das Springen über einen Sandwächter sind nützlich, um sich gegen die oft großen Gruppen von Feinden zu erwehren, denen man so gut ausweichen kann. Es gibt hier eine Fülle von Manövern. Besagtes Überspringen des Gegners nutzt man oft, ebenso kann man sich aber auch von Wänden abstoßen und dabei auf den Gegner wie ein tödlicher Pfeil zuschießen. Als Verteidigungsaktion dient das Blocken, welches ebenso oft nützlich ist.
Gekämpft wird mit zwei Waffen: Dem Schwert und dem Dolch der zeit. Ersteres funktioniert als Primärwaffe und haut ordentlich rein. Im Verlaufe des Spiels findet man immer wieder neue Schwerter, die deutlich imposanter aussehen und mehr Schaden verursachen. Der Dolch der Zeit hingegen ist schon interessanter. Als Zweitwaffe kann man mit ihm einige nützliche Stöße vollführen. Seine Hauptfunktionen liegen in den magischen Fähigkeiten, die man nach und nach im Spielverlauf freischaltet. Zum einen sorgt der Dolch für die endgültige Vernichtung eines Feindes. Wenn dieser am Borden daniederliegt, wird es Zeit ihm mit der kleinen Klinge den Rest zu geben. Dadurch nimmt man auch gleich wieder Sand auf mit welchem die übrigen Funktionen aktiviert werden. Neben einem Art Bullit-Time gibt es noch die sehr wichtige Rückspulfunktion. Hier kann man Fehler korrigieren indem man einfach die Zeit zurückdreht. Das gilt sowohl für die Akrobatik als auch die Kämpfe. Diese Funktion ist nicht nur genial, sondern bewahrt auch vor genügend Frust. 'Sands of Time' besitzt nämlich keine echte Speicherfunktion. Gespeichert wird lediglich an großen Sandquellen und/oder Wasserbecken, die recht fair verteilt liegen. Bei etwaigem Wiederholen einer Szene, wo so ein Ding nicht aufgetaucht ist, beginnt man in Ausnahmefällen dann aber wieder dort, wie z.B. einem Bosskampf.
Wichtig für ein Spiel wie 'Sands of Time' mit all diesen netten Features ist das Leveldesign. Dieses ist auch sehr gut geraten, ist es dabei nicht nur ausgesprochen hübsch, sondern auch intelligent. So zäunt man manchmal alleine, manchmal mit Fara, riesige Räume auf, um durch sie zu gelangen, klettert dort hoch um einen Schalter auf der anderen Seite zu aktivieren und so weiter und sofort. Oft gibt es auch auflockernde Rätsel. Gleichzeitig besitzt 'Sands of Time' aber dadurch einen gewichtigen Fehler. Nun ja, ein echter Fehler ist es nicht, aber doch abwechslungsarm: So schön alle Gefechte und Hangeleien auch sind, meist wechselt sich das Fortkommen im Palast immer dementsprechend ab: Betreten eines neuen großen Raumes, welcher in einer Kamerafahrt vorgestellt wird, dann ein Kampf gegen Sandwachen und anschließend das akroabtische Überwinden zum Ausgang. Und das wiederholt sich dann meistens entsprechend. Wenn nicht, lässt sich dieses Schema wiederum nochmal auf Akrobatik - Kampf - Akrobatik - Kampf reduzieren. Glücklicherweise sind die beiden Nachfolger da dynamischer. Wenn man in das Spiel eintaucht, mag dieses Manko aber auch gar nicht auffallen.
Die Inszenierung der fortgehenden Geschichte ist wie schon beschrieben sehr gut. Die Story ist bewährt, doch die Charaktere vermögen zu überzeugen, insbesondere der Prinz, der sich auch während der anderen Spiele noch entwickelt und echte charakterliche Veränderungen durchmacht. Er ist die eigentliche Stärke, während Fara als süße Dame mit Bogen den romantischen Sidekick und der Wesir den typischen, aber dafür gut umgesetzten Antagonisten gibt. Die Sprecher sorgen für die besondere Rundung. Und auch wenn das englische Original ein Stücken besser ist, brauchen sich die Deutschen nicht zu verstecken.
Die Grafik ist verständlicherweise schon etwas angestaubt, sieht aber immer noch gut genug aus um das alte Persien darzustellen. In Sachen Animationen ist der Erstling der neuen PoP-Reihe aber immer noch klasse. Dazu kommt dann noch die Musik mit bekannten Klängen, wie es eben zu Geschichten aus Tausend und einer Nacht passt. Über einen Mehrspielermodus hingegen verfügt Prince of Persia genretypisch nicht.
Fazit:
Die neuen Trilogie um den Prinzen, die mit diesem Spiel hier den Auftakt gemacht hat, ist richtig gut geraten, besitzt neue Einfälle und eigentlich nichts was man, mal vom persönlichen Geschmack abgesehen, bemängeln könnte. Auch die besagte Abwechslungsarmut mag bei der Hatz durch den Palast nicht sonderlich auffallen, da das Spiel immer gute Unterhaltung bietet. Ansonsten leidet 'Sands of Time' lediglich an den Kinderkrankheiten kurze Spieldauer und dem Fehlen des freien Speicherns, wie es aber für Jump'n'Runs nunmal Gang und Gebe ist.
Wenn ich mich nicht irre, gibt es 'Sands of Time' zur Zeit als Vollversion in der neuen Gamestar. Zugreifen empfohlen!
8/10
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