Dienstag, 8. Januar 2008

Test: Prey

Unterschätztes Weltraumabenteuer

An dieser Stelle will ich auf einen Egoshooter aufmerksam machen, der mir besonders positiv in Erinnerung geblieben ist: 'Prey'. Das es aus dem Hause 3D Realms stammt, war vielen wohl schon ein böses Omen - Duke Nukem Forever schonmal gehört? Auch 'Prey' wurde zum ersten Mal 1995 angekündigt und hat es dann ziemlich verspätet 2006 in die Händlerregale geschafft.
Tests in der sogenannten Fachpresse fielen geteilt aus, doch unter die magische 80er-Marke fiel 'Prey' eigentlich nirgendwo. Trotzdem hat das Spiel bei vielen Leuten kaum Anklang gefunden. Zu abgedreht?

Der Fokus von 'Prey' liegt ganz klar auf dem Einzelspielermodus. Den Multiplayer habe ich persönlich auch nie angetestet, kann dazu also nicht viel sagen. Meine mich aber zu erinnern, dass dieser nichts weiter als das übliche Deathmatch-Geballer bietet.
Die Geschichte des Spiels beginnt recht harmlos und führt den Protagonisten Tommy, einem Nachkommen der amerikanischen Ureinwohner, ein. Dieser hält einen Monolog vor dem Spiegel eines Klos in einer abgewrackten Kneipe, irgendwo in der Wüste der USA. Hier wird man auch gleich auf Tommys Kommentare vorbereitet die während des Spiels ertönen. Auch an diesem Punkt scheiden sich die Geister: Manche mögen eben dies, andere wiederum stehen auf schweigsame Gesellen a la Gorden Freeman in deren Rolle man sich versetzen soll. Mir sagt persönlich ersteres zu. Ich habe das Spiel damals auf Englisch gespielt und war von den guten Sprechern sehr beeindruckt. Gerade die Stimme von Protagonist Tommy verleiht der ganzen Sache echte Dramatik.
Und dann geht es los: Nach der Einführung, auswählbarer Musik in einer Jukebox und der Prügelei mit zwei Schlägern, beginnt der furiose Auftakt. Aliens beamen sich in die Kneipe, entführen ihn, dessen Großvater und das heißbegehrte Barmädchen und beamen diese direkt in das Raumschiff das im Weltall den ersten von vielen Blicken auf die Erde zeigt. Man muss das ganze wirklich gesehen haben. Als ich beispielsweise vom vielbegeisterten Anfang von 'Bioshock' las (und dies dann auch entsprechend nachspielte), konnte ich nur müde lächeln und auf 'Prey' verweisen. Ich müsste nun wirklich lange grübeln damit mir eine bessere Anfangsszene eines PC-Spiels einfällt.

Anschließend geht der Egoshooter-Alltag los. Dies bedeutet nicht, dass 'Prey' nun langweilig werden würde, es wird noch richtig gut, doch wird die exzellente Qualität des Anfangs dabei nicht überboten noch sieht man viel neues. 'Prey' bleibt dabei genauso linear wie z.B. 'Half-Life 2', kann damit aber sehr gut überzeugen.
Nachdem man also anfangs sein Rohreisen wiedergefunden hat, sammelt man später weitere Waffen ein. Diese stammen allesamt aus dem Waffenschrank der Aliens, die aus unbekanntem Grund die Welt angreifen wollten. Wenigstens erweisen sich die Geschütze auch gut um deren Hersteller auszuschalten. Das Design der Waffen ist überaus originell, doch sind sie prinzipiell Äquivalente zu den Erfindungen der menschlichen Rasse. Es gibt also so etwas wie ein Maschinenpistole, ein dickes Gewehr und Granaten - nur eben auf Alien-Basis. Besonders positiv ist mir jedoch das "Element-Gewehr" (hieß es so?) in Erinnerung geblieben mit dem Man Eis-, Feuer- und Blitzklotze abfeuern konnte.
Die größte Neuerung die 'Prey' als Feature mitbrachte waren wohl die "Wege". Spezielle Bahnen, die unter Umständen vorher aktiviert werden müssen, verlaufen kreuz und quer durch meist recht große Räume. Wenn diese entsprechend betreten werden, klebt Tommy an diesen fest. Verlaufen die guten Stücke nun direkt an der Decke, verändert sich natürlich auch die Perspektive und man kämpft aufeinmal über Kopf gegen seine Feinde. Auch das muss man gesehen haben. Äußerst spaßig, manchmal jedoch auch verwirrend. Als weitere Neuerung kamen dazu die Portale, die quasi ähnlich wie in 'Portal' funktionieren. Meistens benutzt man diese aber nicht selbst, sondern bekommt Gegner vorgesetzt die dann aufeinmal zu den verschiedensten Seiten auftauchen, wenn man über Kopf hängt - äußerst spaßig!
Und das ist in diesem Fall der "Kritikpunkt". Wie man das verstehen darf? 'Prey' ist leider keine wirkliche Herausforderung. Ich würde mich nicht als Shooterexperte bezeichnen, spiele die meisten Spiele aber aus Prinzip auf der höchsten Schwierigkeitsstufe. Und hier hat mich 'Prey' nur in wenigen Situationen gefordert. Dazukommt auch das dritte wichtige Feature, welches Sterben quasi unmöglich macht. Tommy setzt sich im Verlaufe der Geschichte mehr und mehr mit seiner indianischen Herkunft auseinander. Dadurch kann er in eine geisterhafte Perspektive wechseln, die von netten indianischen Gesängen begleitet wird. In dieser sieht man geisterhafte Brücken über Abgründe und kann mit einem Bogen Feinde ausschalten. Man muss jedoch immer wieder zu seinem "echten" Körper zurückkehren. Dadurch gestalten sich auflockernde Rätsel, wenn man den eigenen Körper beispielsweise über einen Fahrstuhl nach oben transportieren muss.
Die besagte Schwäche kommt nun eben aus dieser Geisterwelt in der man den indianischen Großvater trifft. Sinkt der Energiebalken auf null, muss man in der Zwischenwelt lediglich rote oder blaue Vögel, die entweder für den echten oder den Geisterkörper Energie bringen, abschießen und ist wieder drin im Geschehen. Zusammen mit dem Schwierigkeitsgrad wie gesagt keine Herausforderung mehr.
Später benutzt man im Spiel noch kleine Alien-Raumschiffe, die in alle Richtungen steuerbar sind - und dies vor allen Dingen sehr leicht!
Kurz zur Technik: Die Grafik von 2006 (baut auf der Doom 3-Engine auf) sieht gut bis sehr gut aus. Die Soundkulisse ist sogar noch besser gelungen. Komponist Jeremy Soul (u.a. Icewind Dale) liefert hier wieder einen fantastischen Soundtrack. Zusammen mit den Sprechern wirklich eine Referenz auf diesem Gebiet.

Fazit:
'Prey' genau das richtige für jemanden, der einen atmosphärischen Egoshooter für den Einzelspieler sucht. Die indianischen Ideen mögen nicht jedermanns Sache sein, doch die Umsetzung des Spiels ist dazu passend gelungen. Leider ist das Spiel kaum eine Herausforderung und dementsprechend kurz.

8/10

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